
Die CIA - eine Geschichte des Scheiterns - Tim Weiner ist als zweifachen Pulitzer-Preis-Träger mit seinem Werk Legacy of the Ashes: The History of the CIA ein mit dem National Book Award ausgezeichneter New York Times Bestseller gelungen. Dazu hat er sich intensiver Recherchen und zahllosen Interviews mit Insidern und 10 ehemaligen CIA-Direktoren bedient, um die Geschichte der Central Intelligence Agency von 1945 bis 2007 nachzuzeichnen. Es handelt sich hierbei um die erste frei erhältliche CIA-Chronik anhand von Primärquellen wie den oben erwähnten Interviews und teils erst kürzlich freigegebenen Dokumenten des US-Bundesarchivs NARA (National Archives and Records Administration). Gegründet um ein Zweites Pearl Harbour zu verhindern, war die Arbeitsweise der CIA seit jeher kurzsichtig und kontraproduktiv, wie der 11. September 2001 bewiesen hat. Einer der größten Erfolge der CIA, der mythisch verklärt zu einer Erfolgsgeschichte hochstilisiert wurde, hat die nationale Sicherheit erschüttert. Einst belieferte die CIA afghanische Mudschaheddin mit Waffen für den Dschihad gegen die Sowjetunion, Jahrzehnte später richteten diese ihre Waffen gegen den einstigen amoralischen Verbündeten. Das Zweite Pearl Harbour wurde Realität und im Zuge des ausgerufenen War on terrorism ermöglichten nebulöse CIA-Berichte über Massenvernichtungswaffen im Irak und grundlegende Intentionen von ehemaligen Regierungsmitgliedern Bush seniors einen Krieg der weit über sein ursprüngliches Ziel hinaus zur Besatzung führte und nicht von ungefähr als Zweites Vietnam angesehen wird. Ursprünglich als namensgebender Zentraler Nachrichtendienst geschaffen sollte die CIA bestehende Geheimdienste koordinieren und den Informationsvorteil der USA sicherstellen, der wenn man Sunzi und zahlreichen Militärhistorikern glauben darf, die Essenz eines jeden Sieges ist. Auch als mit der NSA für Hightechspionage und der NRO für die Kontrolle der Spionagesatelliten neue Behörden hinzu kamen wurde die CIA noch als der US-Geheimdienst schlechthin angesehen, auch wenn die NSA heute über ein höheres Budget und mehr Mitarbeiter verfügt. Bis ins 21. Jahrhunderte stütze man sich noch auf die Behauptung hervorragende Leistungen bei operativen Einsätzen und Erkenntnisse durch Human Intelligence (Spione vor Ort und in Organisationen) erreichen zu können. Genau dieser Mythos musste von Tim Weiner demontiert werden, denn nicht nur ist die Arbeit der CIA mit Human Intelligence bestenfalls mangelhaft, sondern förderte seit dem Kalten Krieg hauptsächlich Falschinformationen und plumpe Lügen zu Tage (wobei sich immer wieder die Frage stellte inwieweit man betrunkenen sowjetischen Offizieren Glauben schenken darf), nein, auch in Hinsicht auf operative Einsätze hat die CIA weniger Erfolge vorzuweisen als der Mythos der übermächtigen Agency behauptet. Seit Anbeginn war die CIA von verbündeten Geheimdiensten wie dem Mossad abhängig, was die Perspektive der US-Nahostpolitik mehr als einmal besorgniserregend prägte. Dass sie bis zum Fall der Berliner Mauer den Zerfall der UdSSR nicht erkennen konnte, ist bedauerlich, aber im Rückblick weder verwunderlich noch unerwartet. Auch heute wird von so manchen ehemaligen US-Politiker und Bürokraten erneut die Einrichtung eines zentralen Geheimdienstes gefordert, der die Arbeit der bestehenden Behörden koordinieren und ihre Erkenntnisse auswerten soll. Irritierend, wenn man weiß dass die CIA eigentlich genau zu diesem Zweck eingerichtet wurde und de facto als große Recherchebehörde zur Auslandsaufklärung der US-Regierung jede beliebige Information hätte liefern sollen. Das CIA World Fact Book ist ein Relikt dieses Anspruchs. Als das OSS (Office of Strategic Services) nach dem Zweiten Weltkrieg von Präsident Truman aufgelöst wurde, da es mit gnadenloser Inkompetenz katastrophale Verluste an Menschenleben zu verantworten hatte, wurde diese Anweisung von den leitenden Offizieren nur ungenügend wahrgenommen. Gegen Anweisung Trumans wurde die SSU (Strategic Services Unit) geschaffen, ging man doch davon aus dass Truman früher oder später einsehen würde, dass ein Nachrichtendienst im aufziehenden Kalten Krieg unabdingbar sein würde. Heer und Marine wollten eigene Geheimdienste, Edgar J. Hoover mit dem FBI selbst weltweit aktiv werden und das SSU zerfiel langsam, so dass die später mit Billigung des Präsidenten entstandene CIG (Central Intelligence Group) nur noch über knapp 2000 Mann inklusive Hilfskräfte verfügte (ein dramatisches Vorzeichen für die weitere Geschichte der CIA). Schon 100 Tage nach dem Amtsantritt des ersten CIA-Direktors trat dieser bereits zurück. Ohne offizielle Finanzierung, mit zweifelhafter rechtlicher Absicherung und vor einer unklaren Zukunft wurde die CIA mit dem Central Intelligence Act erst 1949 rechtlich auf sichere Beine gestellt und mit einem eigenen Budget bedacht. Reale Parlamentarische Kontrolle durch den Kongress sollte sich erst Jahrzehnte später entwickeln. Als Frank Wisner die anfangs nicht eingeplante operative Abteilung der CIA übernahm, bedeutete dies für ihn schnellstmöglich Kapazitäten für Geheimoperationen, Mord, Bestechung und die Ausbildung antikommunistischer Guerillas voranzutreiben. Unter einer ehrgeizigen doch nicht immer kompetenten Führung griff der Nachrichtendienst CIA nun auf Sabotage statt Spionage zurück, eine Entwicklung die nachweislich zusammen mit der Stärkung der internen Machtposition des Directorate of Operations dazu führte, dass die Chancen jemals einen Spion ins Politbüro einzuschleusen ruinierten. Hatte man vor dem Sieg über Hitler mit den Kommunisten paktiert, wurden nun ehemals faschistische und vorwiegend konservative Kräfte für den Kampf gegen die Rote Bedrohung aus Moskau rekrutiert. Der Putsch im Iran gegen Mohammed Mossadegh und das Südamerika-Engagement sind nur begrenzte Beispiele. Ike Eisenhower erteilte der CIA mit seinem Aussage (Seite 191) Wenn man unter Arabern lebt, dann wird man rasch feststellen, dass sie unsere Vorstellung von Freiheit und Menschenwürde einfach nicht verstehen können. Sie haben derart lange unter einer Diktatur in dieser oder jener Form gelebt, wie können wir da erwarten, dass sie mit Erfolg eine freie Regierung führen werden? vor Allen Dulles und den versammelten Mitgliedern des Nationalen Sicherheitsrates gewissermaßen einen Freibrief für die Kooperation mit zahlreichen repressiven arabischen Regimen (eine Entwicklung die nach 2001 zur erfolgreichen Gründung des Rendition-Programms für die außerordentliche Überstellung Terrorverdächtiger in ausländische Folteranstalten ermöglichte). Das große Problem, der CIA nach Ende des Kalten Krieges eine neue Bestimmung zu finden, stellte auch schon bald ihre Existenz in Frage. Geheimoperationen waren nicht mehr erforderlich, Spionage wäre mehr gefragt gewesen, eine Rückbesinnung auf die ursprüngliche Existenzgrundlage als Nachrichtendienst. Bis zum Angriff von Al Qaida fehlten der CIA neue Feindbilder, die sie in nordkoreanischen und pakistanischen Atomwissenschaftlern nicht finden konnten. Es fehlte aber nicht bloß der neue Gegenspieler, sondern, sollte man sich wirklich mehr auf die Aufgaben der Human Intelligence konzentrieren müssen, qualifizierte Mitarbeiter. Eigentlich sollte genau das in einem sich auf eine lange Tradition als Einwanderungsland stützende Nation mit 300 Millionen Einwohnern kein Problem sein. Gerade in ethnischen Schmelztiegeln wie New York oder Los Angeles könnte man fündig werden, doch das Problem der CIA liegt seit ihrer Gründung nicht darin geeignete Agenten zu finden, sondern diese auch zu halten. Durch ihre zahlreichen Managementkrisen, gingen der CIA in ihrer Geschichte viele junge talentierte Neuzugänge enttäuscht verloren, während sich mittelmäßige Problemkinder, da nicht selten alkoholabhängig oder von psychischen Problemen ergriffen halten konnten. Dazu kamen immer wieder politisches Taktieren und eine offensive Verfolgung von Eigeninteressen mancher Führungskräfte. Daraus resultierte unter anderem eine Überalterung der erfahrenen Agenten, die als Restbestände des Kalten Krieges ihr Dasein fristen müssen. Im Gegensatz zum Zerfall des OSS, als die frischgebackenen Zivilisten sehr unklare Perspektiven für ihre berufliche Zukunft hatten, gibt es heute deutlich bessere Chancen als Ex-Agent eine adäquate Beschäftigung mit ähnlichen Aufgabenfeld zu finden. So mancher kenntnisreicher Experte arbeitet heute in privaten Unternehmen, die exklusive Verträge mit den US-Streitkräften und Geheimdiensten haben. Blackwater lässt grüßen wenn der ehemaligen CIA-Antiterrorchef und Blackwater-Manager Cofer Black seine eigene private Sicherheitsfirma gründete, die ähnliche Dienste wie die der CIA ins Programm aufnehmen will. An Gründen zu einer Reform der Agency hat es nie gemangelt, die Generalinspekteure lieferten immer wieder untrügliche Beweise für die Fehler des Systems, doch verschwanden diese Berichte nicht selten in den Schubladen der Direktoren. Tim Weiners Legacy of the Ashes: The History of the CIA ist ein Plädoyer für die längst überfällige Reform, damit Szenarien wie aus Unser Mann in Havanna nicht mehr länger der traurigen Realität entsprechen mögen. Es ist ein geniales Buch, das kaum ein gutes Haar an der Agency lässt und zugleich eine Geschichte von Amerikas schmutzigen Kriegen abgibt. Über den geschichtlichen Kontext ist es dem Leser dank dieses Werkes möglich so manche Entwicklungen im Zuge von 9/11 besser, wenn nicht überhaupt erst, zu verstehen. Fazit: Ein sehr fundiertes Werk bei dem es wert ist jede Seite gelesen zu haben. Informativ und spannend erzählt Tim Weiner die Geschichte des bekanntesten Geheimdienstes der Welt.
A Pessimistic Burial Oration for American Intelligence and Covert Operations Run by the CIA - In the James Bond movies, James Bond saves the world virtually single-handedly. He often gets high-tech gear from Q and military backup coordinated by the CIA after the agents follow him until Bond locates the bad guys. Based on Legacy of Ashes, those movies are closer to the truth than I had thought.In Mr. Weiner s extensive look at recently declassified documents, the CIA has always been the gang that couldn t shoot straight when it came to covert operations. To make up for that, the agency has apparently been quite good at keeping secret its bungles and shameful episodes . . . and proclaiming victory in public. The main problem has been that this gang has usually been pursuing its own agendas, disconnected from American policy and political oversight. And the agency liked covert operations so much that it rarely took intelligence gathering seriously.The blame isn t only the agency s, there s plenty of blame to go around. Presidents in particular were addicted to the idea of quickly supplying covert efforts when something was happening that they didn t like. When that urge came over them, the CIA was called in.You probably know some of the story, just from reading the newspapers and watching television (such as when Aldrich Ames was arrested, the missing weapons of mass destruction in Iraq, and the lack of coordination over paying attention to evidence of the impending 9/11 attack).What shocked me (and I don t shock easily) was how many thousands of people were sacrificed or harmed in programs that never worked. For instance, the CIA believed for decades that it could send dissidents back to their home countries and set up resistance efforts (as the OSS had done in France during World War II). Essentially everyone who was sent back for this purpose to many countries was quickly found and executed. While there is a wall at CIA headquarters for those who died in the line of duty, these sacrificed agents were largely ignored so that someone could have the stupid idea to do it all over again.So where are we now in gathering intelligence? We don t have much of an idea of what s going on anywhere except where we buy information from other intelligence services or after we invade the country. That s not good enough in a world where nuclear proliferation is real and loose nukes are a real risk.And where are we in covert action? We are probably still bribing any politician or military leader who wants our money. We coordinate and run lots of offshore prisons where we and those we hire can torture people who might be terrorists to their heart s content.It s a discouraging picture. And one that s not likely to be changed any time soon.I didn t grade the book higher because Mr. Weiner seemed to be skimming the surface in many cases, failing to get into the nuances of why things happened. I compared, for example, his account of Jack and Bobby Kennedy in working with the CIA to what is described in the book, Brothers: The Hidden History of the Kennedy Years by David Talbot. Legacy of Ashes comes across as oversimplified and incomplete by comparison to the Brothers book. For instance, there s no hint of the CIA s possible involvement in the two Kennedy assassinations in Legacy of Ashes.The book would also have been improved by exploring the organizational theory reasons why the CIA has had problems. You can t change an organization s leadership and charter as often as has happened with the CIA and not make a mess. Combine that with the need to hold many secrets and it s likely that institutional reform will lag behind the rate by which new problems can develop.I also think this would have been a better book if it had contained the context of how well those who have had good intelligence (such as the old Soviet Union) used what they knew. In the case of Stalin, the intelligence coups didn t do much good because he didn t trust the information or want to act on it . . . except for stealing technological secrets.What should the United States do now?It may be a good idea to continue with the current administration s preference for private contractors to gather and interpret intelligence. Then, the role of the CIA could become evaluating the effectiveness of such contractors and foreign intelligence service offerings. That s probably a role it could do reasonably well . . . at least until we have a new president who will inevitably go off in a whole new direction.