Americas : Churchill, Hitler, and The Unnecessary War: How Britain Lost Its Empire and the West Lost the World

Churchill, Hitler, and The Unnecessary War: How Britain Lost Its Empire and the West Lost the World

EUR 16,29


Churchill, der Abenteurer, Hitler, der Ideologe - Buchanan malt in diesem sehr lesenswerten Buch das große Panorama der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts und zeigt auf, wie sich das britische Weltreich in zwei großen und politisch nicht zu rechtfertigenden Kriegen gegen das Deutsche Reich zu Tode siegte, bis ganz Europa ruiniert, die östliche Hälfte versklavt und die westliche Hälfte verpachtet war. Er schildert sowohl die sich verändernden Verhältnisse der Zwischenkriegszeit, als auch die jeweiligen Akteure, vor allem die auf der Londoner Bühne.Unter ihnen konzentriert er sich auf den einen Mann, Winston Churchill, der in seinen jungen Jahren einmal gesagt hatte: Ein europäischer Krieg kann nur mit dem Zusammenbruch der Besiegten und der kaum minder verhängnisvollen wirtschaftlichen Ausrenkung und Erschöpfung der Eroberer enden So sollte es am Ende seiner politischen Laufbahn auch kommen.Warum aber dieser so klarsichtige Mensch kaum ein Jahrzehnt nach dieser Aussage alles tat, um einen solchen Krieg herbeizuführen und ihn 30 Jahre lang durchzuhalten, kann nicht mit dem kühlen Instrument des Verstandes erklärt werden, es fällt eher in den Bereich der Psychiatrie für den Katholiken Buchanan wohl auch in den der Wahrhaftigkeit.Churchill ist für Buchanan (er war es auch für viele seiner Kollegen und Zeitgenossen) ein Mann ohne politische Moral, der nur aus der jeweiligen Situation heraus reagierte, unvorhersehbar und unzuverlässig, der ohne Gewissensbisse das tat, weswegen er seine Gegner gerade angeklagt hatte, ganz in der Wesensart von Shakespeares Richard III: Kann ich doch lächeln und im Lächeln morden / verschmitzter täuschen, als Ulyss gekonnt / und, Simon gleich, ein zweites Troja nehmen! Am Ende seiner politischen Laufbahn hatte er zwar, wie geplant, ein zweites Troja zerstört, dabei das Britische Empire jedoch ruiniert, sein Land rückte ins zweite Glied der Mächte, gleich neben den ehemaligen Feind.Verglichen damit sind die Sünden der deutschen Seite England gegenüber für Buchanan eher lässlich, er führt dafür immer wieder direkte Quellen an, doch auch Kommentare berühmter Historiker, von Keegan über Taylor bis zu Kennan, und unterstreicht, dass in beiden Kriegen die deutsche Seite mit allen Mitteln einen Konflikt mit England zu vermeiden suchte, dies jedoch wieder und wieder in London taube Ohren stieß, weil man dort zu lange an der politischen Doktrin des teile und herrsche festhielt, die im 20 Jahrhundert in Europa nicht mehr anwendbar war.Ein ganz wesentliches Kapitel der Jahre vor dem zweiten Weltkrieg ist für Buchanan natürlich die englische Haltung zu Hitler. Hierbei hatten das britische Volk und seine Regierungen lange Zeit Verständnis für die deutschen Bemühungen, das eklatante Unrecht, das dem Lande in Versailles angetan worden war, zu bereinigen. Man erkannte die Schieflage, in die Europa nach 1918 geraten war und beteiligte sich an Verträgen mit Hitler, die dem Versailler Vertrag klar zuwiderliefen, aber auch spätere Abkommen, etwa Stresa, nicht respektierten.Eine erhebliche Rolle in diesem Zusammenhang spielt die Krise von 1938/39, als das III. Reich in München die Sudetenlande zurückgewann, dann aber kaum ein halbes Jahr später, in Prag einmarschierte. Buchanan breitet die damalige Situation der Tschechoslowakei im Detail vor uns aus und zeigt uns, wie kompliziert sie geworden war, ohne dass Berlin dabei eine sehr aktive Rolle gespielt hätte: nachdem die deutsche Volksgruppe ihr Ziel erreicht hatte, strebten nun auch die Slowaken (ganz so, wie sie es 50 Jahre später wiederum taten) einen eigenen Staat an, West-Ruthenien (wer weiß überhaupt, wo das liegt?) tendierte zu Ungarn und die durchaus undemokratischen Machthaber in Polen griffen nach Teschen. Hitler nutzte die Gelegenheit, machte Böhmen und Mähren zu einem deutschen Protektorat und hielt dadurch die Tschechen aus allen späteren Kriegswirren heraus. Die anderen Randstaaten befriedigten ihre AnsprücheIn einem A fatal blunder betitelten Kapitel beleuchtet Buchanan die Folgen dieses Zusammenbruchs, den England nicht verhindern konnte bzw. wollte. Zunächst denkt man hier natürlich an den Fehler der Hitler-Regierung, hier erstmals militärisch tätig zu werden, jedoch meint der Verfasser einen ganz anderen Fehler, nämlich die panische Reaktion Londons auf dieses Wegbrechen eines Stützpfeilers. Sie bestand darin, dem nun möglicherweise nächsten Opfer hitlerscher Gier, Polen, eine Garantie aufzudrängen, die das Land nie verlangt hatte, die nicht erfüllbar war und auch nie erfüllt wurde, die aber jetzt der Regierung in Warschau und nicht mehr London - die Entscheidung über Krieg und Frieden in Europa überließ. Sie entschied sich für Krieg und reagierte mit Ablehnung auf Hitlers Wunsch nach Rückführung Danzigs und einer Durchfahrt durch den Korridor. Die Folgen sind bekannt.Die weitere Entwicklung des 2. Weltkriegs gibt Buchanan Gelegenheit, anhand der wechselnden Haltung Churchills zu Stalin, den geistigen Zickzackkurs des britischen Premiers zu verfolgen, er überlässt dem Leser die Wahl zwischen zwei Urteilen: purer Opportunismus oder unbegreifliche politische Verblendung. Der Condottiere Churchill hatte Europa in Brand gesteckt, um seinen Gegner in Berlin auszuschalten, gehörte zu den Siegern und musste 1946 in Fulton erklären, dass man da irgendetwas übersehen habe, denn nun stand nicht mehr ein in England vernarrter deutscher Diktator am Ufer der Nordsee, sondern der gewissenlose Führer eines Weltreichs, das man unterstützt hatte, um den Kontinent nicht einer einzigen wirtschaftlichen Kraft zu überlassen. Der Pyrrhus-Sieg war vollkommen.Der konservative politische Denker Buchanan sieht am Ende seines Buches für die USA eine ähnliche Konstellation heraufziehen, wie sie nach 1900 für Großbritannien galt: die Überdehnung der militärischen und wirtschaftlichen Mittel durch eine Verzettelung der Kräfte in fernen Ländern. Es erscheint dem Leser als durchaus möglich, dass sich das Schicksal der USA in Afghanistan entscheidet Amerika wäre, nach England und der Sowjetunion, die dritte Weltmacht, die am Khyber-Pass scheitert. Man denkt an Fontanes Gedicht Einer kam heim aus Afghanistan. Das Buch macht den Leser sehr nachdenklich.




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